2026-04-17 14:59:45

"Das kleine Ferkel Oink-Oink am Weihnachtsfest" von Boris Sachoder

Es lebte einmal ein kleines Ferkel namens Oink-Oink.

Übersetzung von Node of Time DE

Originaltext: skazki.online
Bilder: diafilmy.su

 

Es lebte einmal ein kleines Ferkel namens Oink-Oink. Es war ein ganz besonderes Ferkel: Es konnte auf Hinterbeinen gehen. Wenn es spazieren ging, liefen ihm alle Kleinen hinterher — Lämmer, Kälber und Zicklein:

— Lieber Oink-Oink, zeig uns deine Kunst!

Dann stellte sich Oink-Oink auf die Hinterbeine, legte die Vorderbeine wichtig auf den Bauch und stolzierte los, ganz geschniegelt und wichtig.

Alle staunten: Bravo, Oink-Oink!

Und er prahlte:

— Das ist doch gar nichts! Wenn ihr wollt, kann ich auch auf einem Bein hüpfen! Auf dem rechten oder auf dem linken!

Alle wunderten sich und lobten ihn, und Oink-Oink hob sein Schnäuzchen immer höher.

Bis zum Winter wurde er so eingebildet, dass er mit den anderen Kleinen gar nicht mehr sprach. Er lief herum und dachte bei sich:

— Was bin ich schlechter als die Menschen? Wenn ich will, gehe ich einfach zu den Kindern in die Schule — zum Weihnachtsfest! Ich gehe einfach!

Das hörte ein alter Ziegenbock und erschrak:

— Du bist doch verrückt! Wo gibt es so was — ein Ferkel bei den Menschen auf dem Weihnachtsfest! Geh nicht hin, du Dummkopf, sonst braten sie dich und essen dich mit Knödeln!

— Ich sorge dafür, dass sie mich nicht braten, — antwortete Oink-Oink. — Sie werden gar nicht merken, dass ich ein Ferkel bin!

— Wie sollen sie dich denn nicht erkennen? Du hast doch einen Ringelschwanz!

— Dann ziehe ich eben eine Hose an!

— Aber deine Hufe sind doch auch wie bei einem Schwein!

— Dann ziehe ich Schuhe an! 

— Und deine Augen sind doch auch Schweineaugen!

— Wozu gibt es Brillen? Außerdem ist dort ein Kostümfest — die Kinder verkleiden sich selbst: als Fuchs, als Hase oder sogar als Wolf!

Der Ziegenbock schüttelte nur den Bart und ging davon – mit einem Ferkel lässt sich nicht reden!

Natürlich wäre Oink-Oink allein nie auf so eine Idee gekommen. Aber er kannte eine Katze, die in der Schule als Wächterin arbeitete. Sie brachte ihn auf den Gedanken und versprach ihm auch Kleidung.

Als das Neujahrsfest näher rückte, kam die Katze auf den Hof gelaufen und sagte:

— Ich habe alles besorgt! Los, beeilen wir uns — gleich wird der Baum angezündet, und das Essen ist schon fertig, so lecker!

Als Oink-Oink vom Essen hörte, begann er sofort, sich hastig anzuziehen.

— Halt, halt, — sagte die Katze. — Du bist viel zu schmutzig! Erst musst du dich waschen, sonst erkennen dich die Kinder sofort!

Sehr gerne hätte Oink-Oink verzichtet, aber es ging nicht anders – mühsam spülte er sein Schnäuzchen ab.

Dann zog er sich an – die Hose über den Kopf, die Ärmel an die Hinterbeine… Zum Lachen und zum Weinen!

Zum Glück half die Katze. Als Oink-Oink in den Wassertrog schaute, staunte er selbst: ein Junge wie jeder andere – nur die Nase war ein Schweinerüssel!

Sie gingen los, und Oink-Oink wurde ein wenig mulmig: Was, wenn sie ihn erkennen?

Da trafen sie unterwegs den Ziegenbock, der gerade jemandes Hemd fraß.

Er sah Oink-Oink und trat sofort zur Seite:

— Schlag mich nicht, Junge! Ich werde keine Wäsche mehr fressen!

„Aha“, dachte Oink-Oink, „er hat mich nicht erkannt!“

Er wurde mutiger, sie gingen weiter. Da lag unter der Treppe seine Mutter und wühlte im Schlamm.

Kaum sah sie ihn, sprang sie auf und lief davon…

— Siehst du, — sagte die Katze, — ich habe alles perfekt gemacht! Wenn dich sogar deine eigene Mutter nicht erkennt, erkennt dich niemand!

Doch statt „Danke“ fauchte Oink-Oink:

— Verschwinde!

Die Katze erschrak und kletterte auf einen Baum.

Nun wurde Oink-Oink ganz übermütig. „So ist es besser“, dachte er.

Da war auch schon die Schule. Die Türen standen offen, die Kinder wurden begrüßt.

— Willkommen!

Auch Oink-Oink wurde begrüßt. Doch er antwortete nicht und ging einfach hinein.

— Warte, Junge! Zieh dich aus! Wenigstens die Überschuhe!

Also zog Oink-Oink sie aus und ging in den Saal.

Dort begann gerade ein Konzert. Einige sangen, andere tanzten oder sagten Gedichte auf. Alle hörten aufmerksam zu und klatschten laut.

Aber Oink-Oink dachte nur ans Essen. Er zappelte herum und grunzte:

— Wann gibt's das Essen?

— Sei still! — flüsterten die Nachbarn.

Doch er hörte nicht auf.

„Was für ein ungezogener Junge“, dachten sie.

Dann begann der Tanz um den Weihnachtsbaum.

Auch Oink-Oink machte mit: trat einem auf den Fuß, stieß den nächsten an – und tat so, als hätte nichts passiert.

Sich entschuldigen? Das war nicht seine Art!

— Du bist ja wie ein Bär! — sagte ein Mädchen.

Oink-Oink schnaubte nur.

„Hat mich nicht erkannt!“, dachte er zufrieden.

Endlich ging es zum Essen.

Oink-Oink war der Erste, drängte alle zur Seite, setzte sich und begann, von allen Tellern Essen zu sich zu schieben.

Gelächter ringsum – alle lachten über ihn. Aber es störte ihn nicht – er steckte die Schnauze in die Teller und fraß alles durcheinander.

Dann lehnte er sich zurück… und legte die Füße auf den Tisch!

Da sagte jemand:

— Das ist doch kein Junge! Das ist ein Ferkel!

Oink-Oink sprang auf und schrie:

— Oh nein, sie haben mich erkannt!

Er rannte zur Tür, blieb hängen – die Hose rutschte herunter.

Die Katze schlug ihm auf die Nase:

— Benimm dich nicht wie ein Schwein!

Oink-Oink entkam irgendwie und lief nach Hause – ohne Hose, nur mit Brille.

Da stand der Ziegenbock:

— Ach, du warst das?

Und rammte ihn – die Brille fiel herunter!

Halbtot vor Angst kam Oink-Oink im Stall an, verkroch sich im Stroh – nur das Schnäuzchen schaute heraus.

Er zitterte und sagte:

— W-w-woran h-h-haben s-s-sie mich erkannt?

Und wirklich — woran?

 

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