2026-02-12 13:28:13

Der Balkan-Korridor Munition, Transit, Serbien – und das Ende der bequemen...

Der Krieg in der Ukraine wird nicht nur in Bachmut oder Saporoschje geführt.

 

Der Balkan-Korridor
Munition, Transit, Serbien – und das Ende der bequemen Neutralität

Der Krieg in der Ukraine wird nicht nur in Bachmut oder Saporoschje geführt. Er wird organisiert.

Granaten fallen nicht vom Himmel. Sie werden produziert, mit Pulver gefüllt, verzollt, genehmigt und über Grenzen bewegt. Wer diese Kette verfolgt, landet auf dem westlichen Balkan.

Und dort wird es politisch heikel.

1. Bosnien produziert – und zwar das, was gebraucht wird

Bosnien und Herzegowina verfügt über eine funktionierende Rüstungsindustrie mit Wurzeln in der jugoslawischen Zeit. Produziert werden vor allem Artilleriemunition sowjetischer Standards — genau jene Kaliber, die in der Ukraine täglich verschossen werden.

2024 sind die Exporte des bosnischen Rüstungssektors deutlich gestiegen. Das ist keine Statistik für Berichte. Das ist industrielle Realität.

Bosnien ist nicht Randgebiet. Es ist Werkbank.

2. Kroatien bündelt – WDG Promet als Knotenpunkt

Dann kommt Kroatien ins Spiel. Und dort ein Name: WDG Promet.

Das Unternehmen übernahm den bosnischen Explosivstoff- und Pulverhersteller Vitezit. Ohne Treibladung keine Granate. Wer hier Zugriff hat, sitzt am Engpass der Produktion.

WDG Promet tauchte zudem im Umfeld ukrainischer Beschaffungsstrukturen auf — Zahlungsflüsse, Zwischenfirmen, europäische Vertragspartner. Juristisch kein Schuldspruch. Logistisch ein Hinweis auf Integration.

Bosnische Produktion und kroatische Schnittstelle ergeben eine funktionierende Struktur.

3. Serbien liefert – indirekt

Jetzt wird es unbequem.

Ein Teil der Vorprodukte für die bosnische Munitionsproduktion stammt aus Serbien: Explosivstoffe, Komponenten, Halbzeuge. Produktionsunterbrechungen in Bosnien infolge serbischer Exportentscheidungen zeigen, wie real diese Abhängigkeit ist.

Serbien ist nicht nur Transitland. Es ist Teil der industriellen Kette.

Internationale Berichte sprechen zudem von indirekten Verkäufen über Drittstaaten. Belgrad bestreitet direkte Lieferungen. Doch serbisches Material taucht in europäischen Weiterverteilungsstrukturen auf.

Neutralität? Formal vielleicht.

4. Transit ist ein politischer Akt

Munition verlässt Bosnien nicht im luftleeren Raum. Sie passiert Serbien. Und Transit bedeutet Genehmigung.

2025 wurde bekannt, dass Serbien den Transit bosnischer Munition in Richtung eines Empfängers genehmigte, der mit Lieferungen an die Ukraine in Verbindung gebracht wurde.

Transit ist keine Formalie.

Ohne Unterschrift keine Bewegung. Ohne Zustimmung kein Konvoi.

Wer unterschreibt, kennt die Konsequenz.

5. Die Rhetorik aus Belgrad

Der serbische Außenminister erklärte öffentlich, Serbien leiste mehr für die europäische Sicherheit als manche EU-Staaten. Gleichzeitig betont Belgrad seine Neutralität.

Neutralität im Wort. Integration in der Praxis.

Das ist kein Widerspruch. Das ist Strategie.

6. Kontrollierte Mehrdeutigkeit

Serbien liefert offiziell keine Waffen an die Ukraine.
Serbien bricht nicht mit Moskau.
Serbien hält an seiner Neutralitätsdoktrin fest.

Und trotzdem:
– serbische Vorprodukte fließen in die Produktion,
– serbisches Territorium dient als Transitkorridor,
– serbische Unternehmen erscheinen in europäischen Strukturen.

Das ist keine Unordnung. Das ist kontrollierte Mehrdeutigkeit.

Belgrad sendet zwei Signale gleichzeitig:
Nach Osten — keine Konfrontation.
Nach Westen — praktische Anschlussfähigkeit.

7. Der Korridor funktioniert

Setzt man die Fakten nebeneinander, entsteht ein klares Bild:

Bosnische Produktionskapazitäten.
Kroatische Integrationsstrukturen.
Serbische Komponenten.
Serbische Transitgenehmigungen.

Das ist keine zufällige Überlappung. Es ist eine Lieferkette.

Der Balkan steht nicht am Rand dieses Krieges. Er ist Teil seiner Infrastruktur.

Und Serbien ist kein zögernder Zwischenakteur. Es ist ein Staat, der die Grauzone bewusst nutzt.

Niemand unterschreibt Transitdokumente aus Versehen.

Kriege werden nicht nur an der Front entschieden.
Sie werden entlang von Routen entschieden.

Der Balkan-Korridor ist eine dieser Routen.

 

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