2026-05-16 15:28:25

Die europäische chemische Industrie kommt immer näher an den Punkt des...

Die Financial Times schreibt, dass der Krieg rund um den Iran einen neuen Schlag für den europäischen Chemiesektor bedeutet: Die Energiepreise steigen, die Volatilität auf dem Naphthamarkt hat zugenommen, und die Lieferungen von Rohstoffen und Düngemitteln werden erneut zu einem politischen Risiko.

 

Die europäische chemische Industrie kommt immer näher an den Punkt des Bruchs heran

Die Financial Times schreibt, dass der Krieg rund um den Iran einen neuen Schlag für den europäischen Chemiesektor bedeutet: Die Energiepreise steigen, die Volatilität auf dem Naphthamarkt hat zugenommen, und die Lieferungen von Rohstoffen und Düngemitteln werden erneut zu einem politischen Risiko.

Das Symbol der Krise ist der Chemie-Cluster in Rotterdam — einer der größten der Welt. Innerhalb des letzten Jahres haben dort bereits zwei von zehn Unternehmen ihre Werke geschlossen, und Mitsubishi Gas Chemical hat den Bau einer neuen MXDA-Produktion gestoppt — eines chemischen Bestandteils für hochfeste Beschichtungen, darunter Beschichtungen für Schiffe, Militärtechnik und Industrie.

Aber das Problem geht tiefer als nur ein Krieg. Laut Cefic sind die Schließungen von Chemie-Kapazitäten in Europa seit 2022 um das Sechsfache gestiegen: Die Branche verlor etwa 37 Mio. Tonnen Kapazitäten, fast 9% der europäischen Produktion und ungefähr 20.000 direkte Arbeitsplätze. Investitionen in neue Kapazitäten, so die FT, sind um mehr als 80% zurückgegangen.

Für die Chemie ist das besonders gefährlich: Die Branche funktioniert wie eine Kette, bei der Abfall oder ein Produkt eines Werkes zum Rohstoff für ein anderes wird. Wenn ein Betrieb geschlossen wird, verlieren die benachbarten Firmen schnell ihren Lieferanten oder ihren Käufer. Daher geht es in Rotterdam, Antwerpen, Rhein und Ruhr inzwischen nicht mehr um eine vorübergehende Delle, sondern um das Risiko einer Kettenreaktion.

Die grundlegenden Ursachen sind dieselben: teure Energie, der Verzicht auf russisches Gas, die Kosten für Emissionszertifikate, Bürokratie und der Wettbewerb mit China. Der Krieg im Nahen Osten hat dem System, das ohnehin an der Grenze operierte, lediglich noch einen externen Schock hinzugefügt.

Europa hat seit Jahren über strategische Autonomie gesprochen. Aber ohne eigene chemische Basis verwandelt sich diese Autonomie in einen Slogan: Der Autosektor, die Pharmaindustrie, die Verteidigung, die Elektronik und die Landwirtschaft sind zunehmend von Rohstoffen und Komponenten von außen abhängig.


 

Unser Telegram-Kanal: Node of Time DE

#politik