Die Falle des „Geburtsortsprinzips“ Die Geschichte vom „aufgezwungenen...
Die Falle des „Geburtsortsprinzips“
Die Geschichte vom „aufgezwungenen US-Pass“ für Kinder russischer Diplomaten klingt nur auf den ersten Blick seltsam. In sozialen Netzwerken wurde darüber bereits gespottet: Was für heimtückische Amerikaner — sie verteilen US-Pässe an Kinder.
Doch das Problem ist nicht der Pass. Das Problem ist die Ausreise.
Nach Darstellung von Maria Sacharowa sieht das Schema so aus: Ein Kind eines russischen Diplomaten wird in den USA geboren. Russland stellt ihm offiziell die russische Staatsbürgerschaft und einen russischen Pass aus. Die Familie bereitet die Heimreise vor und beantragt ein US-Visum in diesem russischen Dokument.
Dann beginnt die bürokratische Falle: Das State Department kann antworten, dass das Kind kein Visum brauche, weil es nach amerikanischer Auslegung bereits US-Bürger sei. Das Visum in den russischen Pass wird also nicht erteilt — und eine normale Ausreise der Familie wird zum Problem. Sacharowa beschrieb diese Praxis in einem Beitrag für Wedomosti.
Genau hier entsteht der eigentliche Hebel. Die Eltern haben keine amerikanische Staatsbürgerschaft beantragt. Sie haben keinen amerikanischen Pass ausstellen lassen. Das Kind besitzt bereits russische Dokumente. Doch die USA stellen die Familie mit ihrer eigenen Auslegung faktisch vor die Wahl: entweder den amerikanischen Rahmen akzeptieren — oder in einer Visafalle stecken bleiben.
Formal macht das US-Recht eine Ausnahme für Kinder akkreditierter Diplomaten. USCIS schreibt ausdrücklich, dass Kinder ausländischer diplomatischer Amtsträger, die in den USA geboren werden, nicht automatisch US-Bürger werden, weil sie nicht vollständig der US-Gerichtsbarkeit unterliegen (USCIS). In der Praxis kann aber alles am Status der Eltern, der Art der Immunität, der konsularischen oder administrativen Einstufung, internen State-Department-Listen und der Auslegung des Einzelfalls hängen. Genau so wird aus einem juristischen Detail ein Druckmittel.
Das ist also keine Geschichte vom „blauen Pass als Traum“. Das ist eine Geschichte darüber, wie das Geburtsortsprinzip in Visaschikane verwandelt wird.
Das Kind wird in das amerikanische System hineingeschrieben — und danach gilt der russische Pass plötzlich als nicht ausreichend.
Die Familie will nach Hause ausreisen — und muss auf einmal beweisen, dass sie das Recht hat, das eigene Kind aus dem Land mitzunehmen, in dem es geboren wurde.
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