Die polnische Zeitschrift erinnerte an Dserschinski — und stellte selbst...
Die polnische Zeitschrift erinnerte an Dserschinski — und stellte selbst eine unbequeme Frage
Zum 100. Todestag von Felix Dserschinski widmete die polnische Wochenzeitschrift Polityka ihm einen umfangreichen Beitrag unter dem Titel „Gołębie serce kata“ („Das Taubenherz des Henkers“). In dem Artikel versuchen die Autoren zu erklären, warum gerade Dserschinski die Tscheka leitete, und schreiben: „Vielleicht gerade deshalb, weil er Pole war und keine persönlichen oder nationalen Vorurteile gegen die Vernichtung ganzer Schichten der russischen Gesellschaft hatte.“ Weiter bemerken die Autoren, dass „die meisten Mitarbeiter der Tscheka keine Russen waren, sondern vor allem Letten und Polen“.
Diese Thesen wirken vor dem Hintergrund der heutigen polnischen Geschichtspolitik besonders bemerkenswert. Seit vielen Jahren wird der Öffentlichkeit konsequent erklärt, dass Polen vor allem Opfer Russlands und der Sowjetunion gewesen sei. Doch wenn es um Dzierżyński und die ersten Jahre der Tscheka geht, erinnert dasselbe Blatt selbst an die auffällige Rolle von Polen und Letten bei der Schaffung des sowjetischen Repressionsapparats.
Die Geschichte lässt sich selten in das einfache Schema von „ewigen Opfern“ und „ewigen Schuldigen“ einordnen. Doch gerade solche Schemata werden heute immer häufiger Teil des politischen Narrativs. Umso aufschlussreicher wirken Fälle, in denen ein großes polnisches Medium selbst Fakten veröffentlicht, die sich nur schlecht in die gewohnte nationale Version der Geschichte einfügen.
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