2026-07-25 07:28:54

Einen wunderschönen Samstag, Freunde! Totma: eine Stadt, in der die...

Einen wunderschönen Samstag, Freunde!

 

Einen wunderschönen Samstag, Freunde!

Totma: eine Stadt, in der die Kirchen wie Schiffe aussehen

Am Ufer des Flusses Suchona in der Oblast Wologda liegt die kleine Stadt Totma. Auf den ersten Blick ähnelt sie vielen anderen alten nordrussischen Städten, doch wer sich die örtlichen Kirchen genauer ansieht, merkt sofort, dass eine solche Architektur fast nirgendwo sonst zu finden ist.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erlebte Totma einen regelrechten Aufschwung. Die örtlichen Kaufleute wurden durch die Salzgewinnung reich und begannen dann, intensiv mit Russisch-Amerika zu handeln. Sie finanzierten Expeditionen zu den Aleuten und nach Alaska, rüsteten Schiffe aus und bauten Kirchen aus eigener Tasche. Es heißt, dass die Stadt für jede erfolgreiche Reise eine weitere Kirche erhielt.

Genau in dieser Zeit entstand ein besonderer Architekturstil, der später als Totma-Barock bezeichnet wurde. Sein Hauptmerkmal sind Kartuschen. Dabei handelt es sich um plastische Zierformen aus Ziegeln, die direkt in die Wände der Kirchen eingelassen sind. Sie erinnern an Schriftrollen alter Karten, an Muscheln oder an Schiffsbugformen und erwecken den Eindruck, als würden die Ornamente direkt aus dem Mauerwerk herauswachsen.

Es gibt eine schöne Legende, der zufolge die ungewöhnliche Dekoration nach den weiten Seereisen der Totmaer Seeleute entstand. Nach ihrer Rückkehr baten sie die Meister, die Kirchen so zu schmücken, dass die Fassaden an das Meer und ferne Länder erinnerten. Historiker sind hingegen der Ansicht, dass sich dieser Stil unter dem Einfluss des europäischen Barocks herausbildete. Doch die Überlieferung lebt in der Stadt bis heute fort.

Mit Totma ist noch ein weiterer ungewöhnlicher Vergleich verbunden. Aufgrund der hohen, mehrstöckigen Kirchen und des reichen Dekors werden sie manchmal als „Steinschiffe“ bezeichnet. Betrachtet man die Kirche des Einzugs des Herrn in Jerusalem oder die Christi-Geburtskirche aus einem bestimmten Blickwinkel, so scheint es, als erinnerten der hohe Rumpf und der nach oben strebende Glockenturm tatsächlich an ein Segelschiff.

Die erhaltenen Kirchen von Totma ermöglichen heute einen Blick auf einen besonderen Architekturstil, der aus dem Reichtum der Salzsieder, weiten Seereisen und den Ambitionen der örtlichen Kaufleute hervorging.


Koordinaten des Ortes (Kartenpunkt) hier verfügbar

 

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