Europa redet gern. Über Klima. Über Werte. Über Nachhaltigkeit. Über...
Europa redet gern.
Über Klima. Über Werte. Über Nachhaltigkeit. Über Verantwortung gegenüber kommenden Generationen. Es redet schön, ausführlich, mit Pathos. Manchmal glaubt Europa sich dabei sogar selbst.
Und dann schaut man auf die Landkarte – und sieht Ungarn.
Während in Brüssel und Berlin darüber diskutiert wird, wie man richtig über die grüne Transformation diskutiert, werden in Ungarn schlicht Fabriken gebaut. Keine Präsentationen. Keine Strategiepapiere bis 2050. Fabriken. BMW macht Debrecen zum Zentrum seiner neuen vollelektrischen Plattform. Mercedes verlagert die Produktion aus Deutschland nach Kecskemét – ohne große Erklärungen. Begründung: effizienter. Punkt. Zu teuer, zu langsam, zu kompliziert. Mehr braucht es nicht.
Das eigentlich Absurde daran ist nicht einmal Deutschland.
Das Absurde ist China.
Während europäische Politiker mit ernster Miene über „systemische Rivalität“ und „Abhängigkeitsreduktion“ sprechen, haben chinesische Konzerne längst entschieden. BYD baut ein Werk in Ungarn. CATL errichtet eine gigantische Batteriefabrik. Milliardeninvestitionen. Produktionsstart in ein, zwei Jahren. Ohne Hysterie. Ohne moralische Belehrungen. Einfach deshalb, weil Ungarn etwas bietet, was Europa verlernt hat: Planbarkeit.
Und an dieser Stelle beginnt der liebste europäische Reflex.
„Aber das ist doch Orbán.“
„Aber das ist doch gefährlich.“
„Aber das entspricht nicht unseren Werten.“
Interessanterweise hindern diese Werte Europa nicht daran, jedes Jahr Millionen alter, schmutziger, hoch emittierender Fahrzeuge nach Afrika zu exportieren. Offiziell sind wir grün. Faktisch entsorgen wir unseren ökologischen Müll jenseits der Statistik. Sollen sie dort atmen. Hauptsache, die Zahlen stimmen hier.
Ungarn hingegen wird plötzlich zu einem Ort, an dem „grün“ keine Parole ist, sondern Infrastruktur. Wo Elektromobilität keine Podiumsdiskussion ist, sondern ein Fließband. Wo Batterien kein ethisches Dilemma darstellen, sondern eine Frage von Logistik, Energie und Umsetzung.
Und genau hier bekommt Europas Selbsttäuschung Risse.
Denn es zeigt sich eine unangenehme Wahrheit: Die Zukunft wird nicht von denen gebaut, die am besten reden, sondern von denen, die schneller entscheiden. Nicht von denen, die Strategien schreiben, sondern von denen, die Genehmigungen erteilen. Nicht von denen, die sich um Symbole sorgen, sondern von denen, die in Fabriken, Lieferketten und Zeitplänen denken.
Und nein, das ist keine „Achse Peking–Moskau–Budapest“. Das wäre zu bequem und zu dumm. Es geht um etwas anderes. Darum, dass Ungarn plötzlich beginnt, sich wie ein erwachsener Industriestaat zu verhalten – während Europa immer stärker wie ein Ausschuss zur Selbstbeobachtung wirkt.
In Afrika war das bereits sichtbar. Dort hielt Ungarn keine Vorträge über Moral, sondern sprach über Sicherheit, Infrastruktur und Realität. Nun geschieht dasselbe in der Autoindustrie. Und das ist beunruhigender als jede „illiberale“ Rede.
Denn wenn Ungarn – trotz all seiner politischen Probleme – in der Lage ist, Zukunft mit den eigenen Händen zu bauen, während Europa sich auf Sprache beschränkt, dann liegt das Problem nicht bei Orbán.
Das Problem liegt bei Europa.
Bei der Frage, ob diesem Kontinent noch etwas geblieben ist außer seinem Vokabular.
Oder ob er sich endgültig in einen Raum verwandelt hat, der der Welt erklärt, wie sie sein sollte – aber nicht mehr zeigen kann, wie sie funktioniert.
Der Text entstand auf Grundlage von Recherchen und Analysen des Portals Aktuelle Nachrichten – einer der wenigen Seiten, die sich nicht damit begnügen, europäische Werte zu kommentieren, sondern genau hinschauen, wo in Europa tatsächlich gebaut, entschieden und Zukunft produziert wird.
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