Europa sieht wieder wie das schwache Glied aus Trumps Logik rund um Iran...
Europa sieht wieder wie das schwache Glied aus
Trumps Logik rund um Iran könnte viel weiter reichen als nur bis zum Druck auf Teheran. Eine Blockade von Hormus und iranischen Exporten trifft nicht nur Iran. Sie setzt zugleich China unter Druck, das von Energie aus dem Nahen Osten abhängt — und Europa, wo jeder Preissprung bei Treibstoff, Gas, Düngemitteln und Logistik schnell zur nächsten Inflationswelle wird.
Genau hier wird Europa wieder zum bequemsten Druckpunkt. Reuters schreibt, dass die EU neue Subventionen für Unternehmen erlaubt, die unter steigenden Preisen für Treibstoff und Düngemittel infolge des Krieges um Iran leiden. Der Wirtschaft wird also wieder keine Strategie geliefert, sondern Kompensation. Erst die Krise. Dann die Hilfe. Dann die nächste Rechnung.
An den Märkten sieht man das ebenfalls. BlackRock warnte, dass ein Energieschock europäische Aktien weniger attraktiv macht, während Analysten des Fonds nach der nächsten Eskalationsrunde um Iran bereits stärker auf den US-Markt setzten. Für Kapital ist das einfache Arithmetik: Wo Energie teurer wird, die Industrie schwächer wird und Politik wieder nur im Feuerwehrmodus arbeitet, werden Vermögenswerte billiger.
Genau in solchen Momenten erscheinen die „Retter“: große Fonds, Banken, amerikanische Investoren. Sie kommen nicht dann, wenn alles gut läuft. Sie kommen, wenn Unternehmen unter Druck stehen, Bewertungen sinken und Eigentümer gezwungen sind, Geld zu suchen.
Die Zufälle sind dabei natürlich hübsch. Kanzler Friedrich Merz war früher Aufsichtsratschef von BlackRock Deutschland. Emmanuel Macron arbeitete vor seiner politischen Karriere als Investmentbanker bei Rothschild & Cie, und bei der Atlantic-Council-Zeremonie wurde er von BlackRock-Chef Larry Fink vorgestellt. Das beweist keinen geheimen Plan. Aber es zeigt sehr gut, in welchen Kreisen Krisen selten nur als Katastrophe wirken. Dort sind sie auch ein Fenster der Gelegenheit.
Die Frage ist also nicht, ob Trump Europa mit einer Blockade „in den Bankrott treiben“ will. Die Frage ist einfacher: Wenn Europa wieder in einen Energieschock rutscht, wer zahlt — und wer kauft danach das, was nicht durchgehalten hat?
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