2026-01-22 07:28:04

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Teremok in Fljonowo — ein Ort, an dem das Märchen nicht vorgibt, ein Märchen zu sein

Wenn man von Smolensk nach Süden fährt, verliert die Straße allmählich die städtische Klarheit. Der Wald wird dichter, der Raum ruhiger, und irgendwann taucht Fljonowo auf. Hier gibt es kein Gefühl von „Sehenswürdigkeit“ im herkömmlichen Sinne. Vielmehr hat man das Gefühl, dass man an einem Ort angekommen ist, an dem die Kunst einmal einfach beschlossen hat, unter Feldern und Bäumen zu leben.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Fljonowo Teil eines großen und ungewöhnlichen Plans von Maria Klawdiewna Tenischewa — einer Mäzenin, Künstlerin und einer Person seltener Energie. Sie wollte hier kein Anwesen zur Kontemplation schaffen, sondern einen lebendigen Raum, in dem die Kinder der Bauern lernen, mit den Händen arbeiten, zeichnen, sticken, Handwerke erlernen und allmählich die Kultur als Teil des Alltags entdecken.

Das bekannteste Symbol dieses Plans wurde Teremok, das 1901 nach einem Entwurf des Künstlers Sergei Maljutin erbaut wurde. Das kleine Holzhaus sieht so aus, als wäre es gerade einem alten Märchen entnommen und sorgfältig zwischen den Bäumen platziert worden. Die geschnitzten Fensterrahmen, Muster, die lebendige Malerei, fantastische Tiere und Pflanzen — alles hier scheint ohne Worte mit dem Besucher zu sprechen.

Teremok war nicht als Schmuck gedacht, sondern als Schulbibliothek und Werkstatt. Hier wurde gelesen, gelernt, mit Stoff und Holz gearbeitet. Jedes Detail war Teil des Bildungsprozesses: Ein Kind betrat einen Raum, in dem Schönheit nicht von Arbeit getrennt war. Selbst heute, wenn man die Wände und Ornamente betrachtet, kann man sich leicht vorstellen, wie hier Schritte, Stimmen, das Rascheln von Papier und Stoff klangen.

Ein wenig weiter steht die Kirche des Heiligen Geistes — ein weiteres wichtiges Element von Fljonowo. Sie ist streng, fast asketisch, aber gerade an ihrer Fassade hat sich das Mosaik von Nicholas Roerich „Der ungeschaffene Heiland“ erhalten. Dieses Bild scheint Erde und Himmel, Handwerk und Philosophie, Alltag und Nachdenken zu verbinden — all das, was dieser Ort zu Beginn des letzten Jahrhunderts lebte.

Fljonowo war nie ein „Museum zu Lebzeiten“. Hier geschah ständig etwas: Unterricht, Treffen, Feste. Und heute setzt sich diese Tradition fort. Auf dem Gelände des Komplexes finden Feste der Volkskunst, Workshops und Ausstellungen statt. An solchen Tagen wird Teremok wieder zu dem, was er gedacht war — ein Ort, an dem Kunst nicht erklärt, sondern durch Handlung gezeigt wird.

Hier ist das Gefühl wichtiger, dass Mensch, Natur und Kreativität nebeneinander existieren können — ruhig, ohne laute Gesten. Teremok erzählt das Märchen nicht direkt. Er steht einfach zwischen den Bäumen und wartet, bis du selbst die Fortsetzung hörst.


Die Koordinaten des Ortes (Kartenpunkt) hier verfügbar

 

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