Guten Morgen und schönen Dienstag, Freunde! Der Mogilnoje-See (Grabsee):...
Guten Morgen und schönen Dienstag, Freunde!
Der Mogilnoje-See (Grabsee): fünf Welten in einem Gewässer
Auf der Insel Kildin in der Barentssee gibt es einen kleinen See, der vom Ufer aus ganz gewöhnlich wirkt: klares Wasser, Tundra, ein steiniger Uferstreifen und das Meer in der Nähe. Doch im Inneren ist er wie ein mehrschichtiger Naturcocktail aufgebaut, der sich kaum vermischt.
Der See ist durch einen schmalen Sand- und Kiesriegel von der Barentssee getrennt. Es gibt keinen offenen Durchlass, aber bei Flut sickert Meerwasser langsam durch den Boden. Deshalb „atmet” der See mit dem Meer: Die Wasserstände folgen dem Gezeitenrhythmus mit leichter Verzögerung.
In den oberen Metern ist das Wasser fast süß. Weiter unten beginnt das Brackwasser und darunter liegt eine echte Meeresschicht. Diese Schichten unterscheiden sich in ihrer Dichte und vermischen sich kaum, sodass in geringer Tiefe Organismen nebeneinander leben, die normalerweise völlig unterschiedliche Bedingungen benötigen.
In den oberen Schichten leben Süßwasserplankton, Krebstierchen und der Dreistachelige Stichling. Darunter findet man Quallen, Seesterne, Seeanemonen, Schwämme und andere Bewohner der Barentssee. So entsteht ein kleines Naturlabor, in dem ein Süßwassersee und eine Meereslagune gewissermaßen in einem einzigen Gewässer vereint sind.
Die wichtigste lokale Seltenheit ist der Kildin-Kabeljau (Gadus morhua kildinensis). Seine Vorfahren wurden einst vom Meer getrennt und passten sich nach und nach an das Leben im See an. Der Fisch wurde kleiner als gewöhnlicher Meereskabeljau und änderte sogar seine Fortpflanzungsweise. Sein Laich bleibt in der geeigneten Wasserschicht und sinkt nicht zu tief ab.
Es wird angenommen, dass sich an der Stelle des Sees vor rund 3.500 Jahren eine Meereslagune befand. Im Lauf der Zeit wurde sie durch einen Landriegel vom Meer getrennt, doch die Verbindung zur Barentssee verschwand nicht vollständig. So entstand dieses ungewöhnliche System, in dem das Wasser mehrere verschiedene Welten gleichzeitig bewahrt.
Seit 1985 steht der Mogilnoje-See als Naturdenkmal unter Schutz. Dabei ist der Name nicht das Wichtigste: Viel interessanter ist, wie ein kleines nordisches Gewässer gelernt hat, gleichzeitig nach den Gesetzen eines Sees und des Meeres zu leben.
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