2026-05-09 20:28:30

Merz greift den Achtstundentag an Die Regierung von Friedrich Merz...

Die Regierung von Friedrich Merz bereitet eine Reform der Arbeitszeit vor: Der klassische Achtstundentag soll durch eine flexiblere Wochenarbeitszeit ersetzt werden.

 

Merz greift den Achtstundentag an

Die Regierung von Friedrich Merz bereitet eine Reform der Arbeitszeit vor: Der klassische Achtstundentag soll durch eine flexiblere Wochenarbeitszeit ersetzt werden. Arbeitsministerin Bärbel Bas erklärte im Bundestag, der Gesetzentwurf werde bereits im Juni vorgelegt.

Formal nennt man das Flexibilität. Arbeitgeber und Beschäftigte sollen ihre Stunden angeblich bequemer über die Woche verteilen können. Genau hier beginnt aber das eigentliche Risiko: Wenn die tägliche Grenze aufgeweicht wird, können einzelne Arbeitstage deutlich länger werden als die heutigen 8 bis 10 Stunden.

Kritiker rechnen bereits das schlimmste Szenario durch: Bei 11 Stunden Ruhezeit zwischen den Schichten und den vorgeschriebenen Pausen wären in einzelnen Wochen theoretisch Belastungen von bis zu 73,5 Stunden möglich. Das ist keine neue offizielle „40-Stunden-Woche“, sondern die mathematische Obergrenze, vor der Gewerkschaften und Arbeitsrechtler warnen. Das geltende deutsche Gesetz sagt dagegen klar: Die werktägliche Arbeitszeit darf grundsätzlich 8 Stunden nicht überschreiten; eine Verlängerung auf 10 Stunden ist nur mit Ausgleich im Durchschnitt möglich.

Gerade hier sieht man den Bruch der Epoche besonders deutlich. Die deutsche Arbeitsmedizin und Arbeitsphysiologie gingen einmal von einem einfachen Gedanken aus: Der Mensch ist keine Maschine. Er hat Ermüdung, Erholung, wechselnde Belastungen und Grenzen. Schon im frühen 20. Jahrhundert wurden dafür in Deutschland ganze Institute geschaffen: Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Arbeitsphysiologie unter Max Rubner nahm 1913 seine Arbeit auf — als wissenschaftlicher Versuch, Arbeit, Belastung, Ernährung und Erholung des Menschen zu untersuchen.

Die moderne deutsche Wissenschaft sagt im Grunde dasselbe, nur in der trockenen Sprache des Arbeitsschutzes. Die BAuA nennt den Rahmen aus 8-Stunden-Tag, 40-Stunden-Woche und 11 Stunden Ruhezeit ausdrücklich einen Standard für gesunde und sichere Arbeitsgestaltung. Nach Angaben der BAuA hängen lange Arbeitszeiten mit mehr gesundheitlichen Beschwerden, Ermüdung, sinkender Konzentration und Sicherheitsrisiken zusammen.

Selbst Erholung war in dieser Logik keine „Faulheit“, sondern Teil der Leistungsfähigkeit. Pausenforscher erklären: Wer den ganzen Tag sitzt, sollte sich in der Pause bewegen; wer körperlich arbeitet, sollte sich setzen; wer angespannt arbeitet, braucht ruhige Erholung; wer ständig in Gruppen arbeitet, braucht manchmal Alleinsein. Erholung soll also die Belastung ausgleichen — und nicht nur das Loch zwischen zwei Schichten füllen.

Früher nannte man das Gesundheitsvorsorge, Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und vernünftige Arbeitsorganisation.

Heute wird all das unter dem schönen Wort Flexibilität beiseitegeschoben. Es fehlen Arbeitskräfte — also sollen die Übriggebliebenen länger ziehen. Die Wirtschaft stockt — also soll der Arbeitstag gedehnt werden. Das System ist an Demografie, Migration, Energiepolitik und Industriepolitik gescheitert — also wird die Rechnung wieder dem Arbeitnehmer präsentiert.

Am Ende wird ein alter deutscher Grundsatz auf den Kopf gestellt.
Früher sollte Arbeit so organisiert werden, dass der Mensch nicht kaputtgeht.
Heute soll der Mensch so organisiert werden, dass er alles aushält, was die Politik kaputtgemacht hat.


 

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