2026-02-08 19:58:06

Neokolonialismus made in Germany Deutschland spricht gern über...

Deutschland spricht gern über Kolonialismus als über das Verbrechen anderer.

 

Neokolonialismus made in Germany

Deutschland spricht gern über Kolonialismus als über das Verbrechen anderer. Briten, Franzosen, Spanier. Die eigene Geschichte endet – bequem – 1945. Kolonialismus gilt als Randnotiz. Das ist kein Zufall, sondern Verdrängung.

Denn neokoloniale Strukturen existieren heute nicht außerhalb Europas, sondern mitten in der EU – und Deutschland ist einer ihrer zentralen Produzenten.

Koloniale Herrschaft braucht keine Fahnen mehr. Sie funktioniert über Märkte, Regulierung, Migration und Wertschöpfungsketten. Deutschland organisiert diese Mechanismen nicht mit Gewalt, sondern mit ökonomischer Rationalität.

Osteuropa ist Produktionsraum, nicht Entscheidungsträger. Fabriken, Logistik, Zulieferung – ja. Forschung, Marken, Gewinne – nein. Entscheidungen fallen in deutschen Konzernzentralen. Das Muster ist alt, nur der Kontext ist europäisch.

Dasselbe geschah nach der Wiedervereinigung in Ostdeutschland. Industrie wurde abgewickelt, absorbiert oder verlagert. Offiziell Modernisierung, faktisch interne Kolonisierung durch Marktintegration. Die Folgen sind bis heute sichtbar: Abhängigkeit, Abwanderung, strukturelle Schwäche.

Migration stabilisiert dieses System. Millionen Arbeitskräfte aus Osteuropa halten Pflege, Bau, Logistik und Landwirtschaft in Deutschland am Laufen. Das Zentrum löst seine demografischen Probleme, die Peripherie verliert Zukunft. Migration wird als Chance verkauft, ist aber ein Ersatz für Entwicklungspolitik.

Deutschlands Macht wirkt normativ. Haushaltsdisziplin, Reformauflagen, „Best Practices“. Wer scheitert, gilt als ineffizient oder korrupt. Struktur wird moralisiert, Verantwortung individualisiert. Das ist koloniale Sprache – nur technokratisch modernisiert.

Krisen machen die Hierarchie sichtbar. Nach 2008 verlor Südeuropa faktisch wirtschaftliche Souveränität. Hilfe kam – gegen politische Entmachtung. Deutschland nannte es Verantwortung. Für andere war es konditionierte Abhängigkeit.

Auch der grüne Umbau folgt diesem Muster. Deutschland schmückt sich mit Klimazielen, während Rohstoffe unter ökologisch und sozial zerstörerischen Bedingungen anderswo gefördert werden. Sauberer Konsum hier, schmutzige Produktion dort. Kolonialismus mit grünem Etikett.

Die unbequeme Wahrheit lautet:
Deutschland beobachtet Neokolonialismus nicht. Es profitiert von ihm.

Integration ohne Gleichheit.
Mobilität ohne Entwicklung.
Regeln ohne Gegenseitigkeit.

Kolonialismus ist für Deutschland kein abgeschlossenes Kapitel. Er ist ein funktionierendes Strukturprinzip – solange er Vorteile bringt.

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