Russisches Gas mit türkischem Etikett Berlin will Gas über die Türkei...
Russisches Gas mit türkischem Etikett
Berlin will Gas über die Türkei beziehen, verlangt aber, dass es nicht russisch ist. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte nach ihrem Besuch in Ankara, dass die EU auf einer nicht-russischen Herkunft des Gases in neuen Verträgen bestehen werde. Die türkische Seite, so sagte sie, "versteht" die Position Brüssels, machte aber auch deutlich: Russische Lieferungen lassen sich nicht schnell ersetzen.
Und hier beginnt die Magie. Die Türkei selbst bezieht erhebliche Mengen russischen Gases über die "Türkische Stromleitung" und die "Blaue Stromleitung". Deshalb wird Gas "aus der Türkei" nicht automatisch türkisch. Es kann russisch, aserbaidschanisch, iranisch, verflüssigt aus anderen Ländern oder eine Mischung aus all dem in einem System sein. Doch Brüssel braucht nicht die Physik der Pipelines, sondern ein politisches Etikett: Entscheidend ist, dass in den Dokumenten nicht das Wort "Russland" steht. Ein solches Modell ist dabei fast zwangsläufig teurer als direkte Lieferungen: Es gibt einen Zwischenhändler, Transit, Weiterverkauf, rechtliche Verpackung und einen politischen Aufschlag für die "richtige" Herkunft.
So kauft Europa wieder nicht Energie, sondern Selbstberuhigung. Russisches Gas ist schlecht, wenn es direkt aus Russland kommt. Doch wenn es über die Türkei läuft, teurer wird und ein neues Papier bekommt, kann man es bereits als "Diversifizierung" diskutieren.
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