2026-04-21 07:28:30

Schönen guten Morgen zusammen — einen schönen Dienstag euch! ‍ Hinter...

Schönen guten Morgen zusammen — einen schönen Dienstag euch!

 

Schönen guten Morgen zusammen — einen schönen Dienstag euch!

‍ Hinter dieser Tür in Krasnodar passiert eine kleine Verschiebung der Wirklichkeit: Man geht in eine Apotheke — und steht plötzlich in einem Raum, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.

Geschnitzte Holzschränke reichen bis zur Decke, Theken und Vitrinen wirken wie Möbel aus einem alten Haus, und die Decke ist in Kassetten gegliedert und mit Heilpflanzen bemalt — als hätte jemand ein Herbarium nicht in eine Mappe, sondern direkt über den Kopf verlegt.

Auch von außen ist das kein zufälliger Ort. Die Apotheke befindet sich in einem alten Mietshaus vom Anfang des 20. Jahrhunderts an der Ecke Gogol- und Jankowski-Straße. Das Gebäude ist als Ertragshaus des Barons L. W. von Steinheil bekannt und wurde 1905 errichtet. Die Fassade wird dem pseudo-russischen / neorussischen Stil zugerechnet — mit typischen Rundbogenformen und „historischen“ Zierelementen. Es steht als Kulturdenkmal unter Schutz; dieser Status wurde bereits 1987 festgelegt.

Im Jahr 1918 eröffnete hier der tschechische Pharmazeut (Magister der Pharmazie) Jakow Jawelow eine Apotheke. Damals war es nicht nur ein Ort, an dem man „Fertiges“ kaufte: Man arbeitete nach Rezept, stellte Arzneien vor Ort her, wog exakt ab, löste, mischte und füllte ab — Apotheke als Handwerk. Bemerkenswert ist, dass diese Ecke der Stadt ihre Apothekenfunktion auch später behielt: Der Ort überstand die Epochen und blieb eine Apotheke — nur Sprache und Verpackungen drumherum änderten sich.

Was man heute innen sieht, sollte man richtig einordnen. Das Interieur wirkt wie aus dem frühen 20. Jahrhundert, aber die originale Ausstattung ist nicht erhalten. Deckenmalerei und Holzmöbel wurden bereits Ende des vergangenen Jahrhunderts rekonstruiert — mit sorgfältig gewähltem Stil und Proportionen. Einige echte Gegenstände jener Zeit — Gefäße, Kasse und andere Details — sieht man nicht hier, sondern in der Ausstellung des Felizyn-Museums.

Es gibt auch eine literarische Verbindung: In den Jahren 1920–1922 wohnte im Haus gegenüber Samuil Marschak. Stadterzählungen erwähnen das gern, weil so ein Detail den Ort sofort „nachbarschaftlich“, vertraut und lebendig macht.

Und vermutlich bleibt diese Apotheke genau deshalb so im Kopf. Sie ist weiterhin eine Apotheke — funktional, ohne Museumsmodus — und bewahrt dennoch das Gefühl alter städtischer Sorgfalt: im Holz, im Licht und in der Zeichnung an der Decke.

Koordinaten des Ortes (Kartenpunkt) hier verfügbar

 

Unser Telegram-Kanal: Node of Time DE

#politik