Schönen guten Morgen zusammen — einen wunderschönen Samstag euch! Im Dorf...
Schönen guten Morgen zusammen — einen wunderschönen Samstag euch!
Im Dorf Nowotroizkoe in der Region Lipezk steht ein Glockenturm, der einer gewöhnlichen dörflichen Glockenturmarchitektur überhaupt nicht ähnelt. Er erhebt sich über dem Feld wie ein eigenständiges Denkmal: Geschoss über Geschoss, Kreis über Kreis, mit jener seltenen Sicherheit der Form, die sofort einen großen Entwurf erkennen lässt. Daneben steht die Dreifaltigkeitskirche, und zusammen wirken sie nicht einfach wie eine Pfarrkirche, sondern wie der Rest einer einst sehr bedeutenden Gutswelt.
Dieses Ensemble verbindet man mit dem Namen des Generalmajors Pjotr Andrianowitsch Posdnjakow — eines Teilnehmers der russisch-türkischen Kriege aus der Zeit Katharinas der Großen. Das Land erhielt er als Schenkung, und das Dorf trug lange Zeit sogar den Namen Posdnjakowo. Die ersten Arbeiten begannen schon um 1790, die Genehmigung zum Bau der steinernen Kirche erhielt man 1810, und vollendet wurde sie bereits von den Erben; am häufigsten nennt man in diesem Zusammenhang 1815.
Das größte Wunder hier ist der Glockenturm selbst. Seine Formen vergleichen Forscher mit dem antiken Tropaeum Augusti in La Turbie: nicht als direkte Kopie, sondern als eine für die russische Provinz sehr seltene Anspielung auf ein römisches Monument. Gerade deshalb wirkt er nicht wie ein dienender Teil der Kirche, sondern wie eine eigenständige architektonische Geste — kühn, fast feierlich, mitten in die offene Landschaft gesetzt.
Früher lag ringsum ein großer Gutskomplex: steinerne Häuser, Stallungen, eine Reithalle, Wirtschaftsgebäude. Fast all das ist verschwunden, und von dem früheren Maßstab blieben nur Fragmente. Vielleicht hinterlässt der Ort gerade deshalb heute einen so starken Eindruck: Kirche, Glockenturm, Feld, Himmel — und das sehr deutliche Gefühl, dass hier einst eine ganze Welt stand, von der das Wichtigste geblieben ist.
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