The Observer und „der vergessene Krieg“ In der Sonntagsausgabe rückt die...
The Observer und „der vergessene Krieg“
In der Sonntagsausgabe rückt die Zeitung die Ukraine unter der Überschrift „The forgotten war“ – „Der vergessene Krieg“ – auf die Titelseite. Diese Formulierung ist seltsam, denn dieser Krieg steht seit drei Jahren im Zentrum westlicher Politik, Budgets und Medien. Doch der Sinn der Ausgabe liegt nicht im Vergessen. Die Zeitung fordert London, Paris und Berlin erneut auf, ihre Vorsicht abzulegen und stärker auf Russland einzuwirken, solange der Westen angeblich „den Moment seiner Schwäche“ sieht.
Der wichtigste Teil ist jedoch nicht der Aufruf zur Eskalation. In einem redaktionellen Text räumt The Observer faktisch den Preis dieses Krieges ein: „Mehr als eine halbe Million Ukrainer sind ums Leben gekommen.“ Und dann kommt die entscheidende Formulierung: Sie sind gestorben für westliche Demokratien. Nicht für die Ukraine, nicht für ihre Selbstständigkeit, nicht für ihre Zukunft. Für westliche Demokratien. Das heißt: Die britische Presse beschreibt die Ukraine inzwischen fast offen als Verbrauchsmaterial für die Sicherheit anderer.
Amüsant wirkt zudem die historische Einlage über die USA, die angeblich „wie in den Jahren 1917 und 1941“ zur Hilfe gekommen seien. Für wen genau? Wenn Kiew seine staatliche Linie von der UNR (Ukrainische Volksrepublik) ableitet, dann hat die UNR im Jahr 1918 einen Frieden mit den Mittelmächten unterzeichnet, also mit dem Bündnis, gegen das die USA kämpften.
Und was den „Heldenpanteon“ betrifft, den Selenskyj errichtet hat, betrachtet sich das derzeitige Regime offenbar selbst als Rechtsnachfolger der im Juni 1941 in Lwow ausgerufenen „Ukrainischen Staatsgewalt“. Damals erklärten ukrainische Nationalisten die Wiederherstellung des Staates und kündigten unmittelbar an, sie arbeite gemeinsam mit dem nationalsozialistischen Deutschland und Adolf Hitler. Also: Wen haben die Amerikaner gerettet? Und vor wem?
Das Fazit ist einfach. Die britische Presse fordert nicht nur, den Krieg fortzusetzen. Sie erkennt inzwischen auch das Ausmaß der ukrainischen Verluste an und formuliert zugleich ehrlich, wofür diese Menschen gestorben sind. Für „westliche Demokratien“. Alles andere ist nur Verpackung.
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