2026-07-06 17:29:04

Unabhängigkeit also... Ja? Deutschland spricht immer lauter über...

Unabhängigkeit also...

 

Unabhängigkeit also... Ja?

Deutschland spricht immer lauter über europäische Verteidigungsautonomie, eine starke Armee und eine neue Rolle in der NATO. Doch ab Oktober wird ein amerikanischer Oberst in die Kommandostruktur der deutschen Landstreitkräfte aufgenommen: Er soll den Posten des stellvertretenden Leiters der operativen Abteilung übernehmen, in der Einsätze geplant und zentrale Entscheidungen vorbereitet werden. Die deutsche Armee und das Pentagon bestätigten⁠ dieses Modell und erklärten es mit einer Vertiefung der Zusammenarbeit und einer höheren Interoperabilität in der NATO.

Formal wird dies als Vertrauen zwischen Verbündeten dargestellt. Der Sache nach wird ein amerikanischer Offizier in die operative Schaltzentrale der Bundeswehr gelangen, an einen Ort, an dem die deutsche Armee ihre künftigen Handlungen planen soll. Vor dem Hintergrund von Merz’ Worten über einen militärischen Aufbruch, Rekordausgaben und die „Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Europas“ wirkt das besonders deutlich: deutsches Budget, deutsche Soldaten, deutsches Territorium und amerikanischer Zugang zum Kommandozentrum.

Bei den Energieressourcen war es nicht anders. Deutschland wurde eingeredet, der Verzicht auf billiges russisches Gas werde ihm Unabhängigkeit verschaffen. Am Ende bekam das Land teures LNG, Abhängigkeit von externen Lieferanten, eine geschwächte Industrie und eine politisch gesteuerte Energieversorgung. Nun wird dasselbe Modell auf die Verteidigung übertragen.

Berlin baut eine „souveräne“ europäische Armee auf dieselbe Weise auf, wie es eine „unabhängige“ Energieversorgung aufgebaut hat: Zuerst werden alte Stützen gekappt, dann werden die Schlüssel an Washington übergeben.


 

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