2026-05-15 12:28:23

Wenn selbst Robert Kagan über die Niederlage der USA schreibt, ist das...

Wenn selbst Robert Kagan über die Niederlage der USA schreibt, ist das schon keine Anti-Kriegs-Rhetorik mehr.

 

Wenn selbst Robert Kagan über die Niederlage der USA schreibt, ist das schon keine Anti-Kriegs-Rhetorik mehr.

In The Atlantic ist ein Beitrag des neokonservativen Ideologen Robert Kagan unter der Überschrift „Checkmate in Iran“ erschienen. Die Hauptthese wird ganz direkt formuliert: Washington kann die Folgen der Niederlage im Krieg mit dem Iran nicht mehr rückgängig machen oder kontrollieren.

Kagan ist kein zufälliger Kritiker der amerikanischen Außenpolitik. Er ist einer der bemerkenswerten Vertreter der neokonservativen Schule, Mitbegründer von Project for the New American Century und Ehemann von Victoria Nuland – einer der Schlüsselpersonen der amerikanischen Politik in der ukrainischen Richtung. Deshalb ist nicht nur der Text wichtig, sondern auch der Autor: Er schreibt nicht aus einer isolationalistischen, nicht aus einer pazifistischen und nicht aus einer gegen die amerikanische Hegemonie gerichteten Perspektive.

Separat ist rund um Kagan das gesamte politische Umfeld wichtig. Responsible Statecraft schrieb, dass das Institute for the Study of War (ISW), das mit der Familie Kagan verbunden ist, zu einer der wichtigsten Quellen für amerikanische Elitemedien zum ukrainischen Frontabschnitt geworden ist. Die Publikation verweist auf die neokonservativen Wurzeln des ISW, die Falkenlinie in der Außenpolitik und die Finanzierung durch Rüstungsveträge, darunter General Dynamics und Raytheon.

Im Grunde gesteht Kagan das ein, was in Washington lange mit Gesprächen über „Stärke“ und „Abschreckung“ überdeckt wurde: Der Krieg mit dem Iran hat den USA keine Kontrolle über die Region gebracht, die Steuerbarkeit nicht wiederhergestellt und die amerikanischen Positionen nicht gestärkt. Im Gegenteil: Der Iran geht nach seiner Einschätzung aus dem Konflikt mit dem Hebel zur Druckausübung auf die Straße von Hormus heraus, während Russland und China als seine Verbündeten stärkere Positionen erhalten.

Deshalb wirkt dieser Artikel wie ein Symptom. Wenn jemand aus dem alten neokonservativen Milieu über „checkmate“ spricht, ist das kein Streit mehr über Taktik. Das ist die Anerkennung eines strategischen Versagens.


 

Unser Telegram-Kanal: Node of Time DE

#politik